Neigung
Quasi Scherzo mit zwei Trios
Streichtrio neben solistischer 2. Geige
Trauermusik für Igor Strawinsky
2 Vl, Vla, Vc
Auftrag des Berner Streichquartetts
Neigung
- Zuneigung - der Hang zu diesem wunderbaren, traditionsreichen Klangkörper (also kein Anti-Quartett)
- Neige - Zur-Neige-gehen - das stete Abnehmen des äusseren Material-Angebots (bei gleichzeitigem Zunehmen der inneren Verbindlichkeit)
- neigen - sinken - 3. Satz: Innere Melodie mit fallenden Halbtönen (durch Vibrato artikuliert)
- Verneigung - Hommage - die über fünfzig Akkorde während der Trauermusik des 3. Satzes (auf Strawinskys Tod am 6.4.1971)
- geneigten -- Hörern zugedacht ist diese von Satz zu Satz zunehmend introvertierte Musik
RM
Weiterer Text von Roland Moser - Januar 1977:
NEIGUNG für Streichquartett entstand in der Zeit zwischen Dezember 1969 und August 1972. Da der Titel bisher vielen Hörern rätselhaft schien, seien hier einige Andeutungen gemacht:
Zuneigung zum Streichquartett als einer geschichtlich belasteten Kategorie (kein Anti-Quartett also).
1. Satz:
Eine Reflexion über die alte Scherzo-Form mit Wiederholungen, zwei Trios, da capo usw.
Nach hypertrophem Beginn allmähliche Entleerung bis zu den langen Pausen des Schlusses (zur Neige).
2. Satz; Streichtrio:
Ausleuchtung eines Fünfton-Klanges.
Dazu: Solo der zweiten Geige mit acht Spielmodellen in zunehmnder Dichte.
3. Satz:
55 Akkorde in immer neuen Kombinationen, stets von individuellen Pausen vorbereitet (zum Tod Starwinskys am 6. April 1971. Verneigung)
Verstimmungen (nach unten). "Vibrato - cantus firmus" über fallende Halbtöne von Akkord zu Akkord.
Von Satz zu Satz zunehmende innere Intensität bei gleichzeitiger Abnahme äusserer Betriebsamkeit.
RM 1977
Neigung, aus der CD mit dem Berner Streichquartett:
1. Satz - Quasi Scherzo mit zwei Trios
https://www.youtube.com/watch?v=9CS4O_qn9g8
Berner Streichquartett mit
Alexander van Wijnkoop und Eva Zurbrügg, Violinen
Heinrich Forster, Viola
Walter Grimmer, Violoncello